von Gotthold Ephraim Lessing
im Großen Haus
Love is in the air! Der Prinz von Guastalla, seiner Geliebten Gräfin Orsina
überdrüssig, findet Gefallen an der jungen Emilia, einer Bürgerlichen. Er will, nein, er muss sie haben! Emilia ist allerdings dem Grafen Appiani versprochen. Der Prinz und sein Kammerdiener Marinelli sind sich einig: Alle Hebel müssen in Bewegung gesetzt werden, um diese Verbindung zu verhindern. Also lässt Marinelli die Kutsche des angehenden Hochzeitspaars überfallen, was für den Grafen Appiani tödlich endet. Jetzt erfährt die zutiefst gekränkte Orsina von der Intrige. Fortan liegt Emilias Schicksal in ihren Händen – oder in denen
ihres Vaters – oder denen des Prinzen – nur nicht in ihren eigenen...
Mit dem bürgerlichen Trauerspiel „Emilia Galotti“ widmet sich der Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) seinem Lieblingsthema, der Willkürherrschaft des Adels, indem er mit einer vermeintlichen Liebesgeschichte ein unausweichlich tragisches Ende heraufbeschwört. Allein die vielschichtige Konzeption der Charaktere legt jedoch nahe, dass es sich hier nicht etwa um einen sogenannten „Ehrenmord“ handelt, dem irgendein Sinn abzutrotzen sei. Vielmehr erzählt das Stück einen Femizid, die Tötung einer Frau, die ursächlich in patriarchalen Geschlechterunterschieden gründet. Ein veraltetes Phänomen?
Ein Blick auf aktuelle Gewaltstatistiken verrät: leider nein.