von Felicia Zeller
im Großen Haus
Zuerst hat es einen Sturm gegeben. Dann – schöne Grüße vom Klimawandel
– wurde es heiß und trocken und schließlich wartet auf die vier Mitarbeitenden der Stückholzenroder Revierförsterei ihr Endgegner: der Borkenkäfer. Oder vielmehr das, was er übriggelassen hat. Jetzt heißt es aufräumen, das Käferholz mit vereinten Kräften beseitigen, und wenn man fertig ist, fängt man wieder von vorne an, denn neben enormer Gefräßigkeit, soviel weiß man, neigt der kleine Kerl vor allem zu ergiebiger Vermehrung. Dagegen muss man erst mal anroden. Wobei die genauen Anweisungen aus der Landesforstverwaltung verwirrend häufig wechseln. Doch immerhin zieht die latent verzweifelte Situation der Forstleute mediale Aufmerksamkeit auf sich: Podcasterin Noa berichtet live vor Ort. Und während alle Reviermitarbeiter*innen aus dem letzten Loch pfeifen und Revierleiterin Silvia bei der Landesforstverwaltung einen Antrag auf sofortige Unterlassung aller forstwirtschaftlichen Maßnahmen stellt, gelingt Noa eine kleine Sensation: Der Borkenkäfer persönlich zeigt sich erstmals gesprächsbereit.
„Stück aus Holz“ ist eine sprachverliebte Textlandschaft zwischen Bürokratie-Irrsinn und Ökokomödie. Felicia Zeller (*1970), selbsternannte Wirtschaftsdramatikerin, schreibt ausgezeichnete Theatertexte, Prosa und arbeitet in Film, Neuen Medien und Leseperformances. Sie ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.